Der Siegeszug der Veggie-Wurst

Wie aus europäischem Soja, klimafreundliche Mortadella wird

Text: Mareike Scheffer, 29.03.2021

Immer mehr Menschen entscheiden sich weniger oder bewusster Fleisch zu essen. Andere ersetzen Mortadella, Schnitzel und Co. durch Produkte auf pflanzlicher Basis. Das Unternehmen Rügenwalder stellt bereits seit 2014 solche Alternativprodukte her und verkündete im Juli 2020 stolz, erstmals mehr Umsatz mit Ersatzprodukten als mit Fleischwaren zu machen. Dabei setzt das Unternehmen mit der roten Mühle im Markenzeichen auf Transparenz und Glaubwürdigkeit.

Ernährungsexperten empfehlen seit langem, den Fleischkonsum zu reduzieren. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung spricht mit Blick auf eine gesunde Ernährungsweise von 300 bis 600 Gramm pro Woche. Das wären rund 30 Kilogramm im Jahr. Die internationale EAT Lancet Kommission empfiehlt sogar höchstens 15 Kilogramm. Wie groß derweil die deutsche Fleischindustrie ist, unterstreicht die Bilanz aus 2019. Der Wert für Fleischersatzprodukte ist im Vergleich winzig. Doch sie gewinnt an Relevanz. Das zeigen Daten des Statistischen Bundesamts. So wuchs die Produktionsmenge von Ersatzprodukten im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 37 Prozent auf 20.000 Tonnen.

Der Wurstproduzent Rügenwalder hat den Trend zu Wurstersatzprodukten frühzeitig erkannt und 2014 erste Produkte in den Handel gebracht. Ein Blick auf das Sortiment zeigt den Wandel, den das Unternehmen seither durchgemacht hat. Neben den sieben herkömmlichen Wurstprodukten hat das niedersächsische Unternehmen mittlerweile 20 vegetarische oder vegane Wurstsorten im Angebot.

Seit das Unternehmen die fleischlosen Produkte anbietet, arbeitet es eigenen Angaben zufolge kontinuierlich daran, sie so nachhaltig wie möglich herzustellen. Der Weizen für das fleischfreie Sortiment komme größtenteils aus Deutschland und die Erbsen aus Frankreich.

Das für die Verarbeitung benötigte Soja beziehe Rügenwalder nicht aus Südamerika, wo mit dem Sojaanbau ökologische und soziale Probleme verbunden sind, sondern die Hälfte komme derzeit aus Nordamerika, die andere Hälfte aus Europa – Tendenz steigend. Damit die Versorgung mit Soja noch regionaler wird. „Durch die im Vergleich zu Soja aus Nordamerika kürzeren Transportwege verbessern wir zudem den ökologischen Fußabdruck unserer vegetarischen/veganen Produktlinie“, so das Unternehmen.

Auch hier wird Transparenz sichtbar. Wer auf der Internetseite des Unternehmens nachschaut, der findet die Info, dass einige Produkte ausschließlich mit Soja aus der Donauregion hergestellt werden. Auch beim Verzehr von Burgern garantiert das Unternehmen Genuss aus Europa, denn das enthaltene Soja soll zu 90 Prozent von diesem Kontinent kommen.

Das ist nicht nur allein wegen der CO2-Bilanz interessant. In der EU gelten deutlich strengere Regeln für die Landwirtschaft. Bei dem von Rügenwalder verwendeten europäischen Soja handelt es sich um zertifiziertes Donau Soja, bei dem für die Produzenten hohe Mindestanforderungen gelten. Verbraucher sollten sich aber klarmachen, dass Donau Soja aber nicht nur aus Deutschland, sondern vorwiegend aus Südosteuropa, etwa der Ukraine, stammt.

Durch die im Vergleich zu Soja aus Nordamerika kürzeren Transportwege verbessert das Unternehmen den ökologischen Fußabdruck der Produkte

Anbau nach hohen Ansprüchen

Der Verein Donau Soja mit Sitz in Wien nennt als Grundpfeiler seiner Arbeit die gentechnikfreien Standards. Beim Anbau dürfe auch das umstrittene Mittel Glyphosat nicht eingesetzt werden, zudem gelten die Pflanzenschutzrichtlinien sowie die Arbeits- und Sozialrechte der EU und der Vereinten Nationen.

Landwirte verpflichten sich Wälder und wertvolle Ökosysteme zu schützen, wenn sie unter diesem Label Soja anbauen. Damit verspricht Donau Soja, dass etwa keine Entwaldung für den Anbau stattfindet.

„Durch die Verwendung von Donau Soja leisten wir auch einen Beitrag, um den Anbau von Soja in Europa zu fördern. Deshalb sind wir schon 2015 der internationalen Organisation ‘Donau Soja’ beigetreten, die sich für den Anbau und die Vermarktung von Soja aus der Donauregion stark macht“, erklärt das Unternehmen. Gemeinsam mit Produzenten, Händlern und Umweltorganisationen wie Greenpeace und dem WWF unterstütze Rügenwalder so eine qualitativ hochwertige, europäische Eiweißversorgung.

Mehr Regionalität durch Soja „Made in Germany“

So hat Rügenwalder auch ein Pilotprojekt „Soja made in Germany“ gestartet, dessen erste Ernte im Herbst 2020 eingefahren werden konnte. Auf zwei Versuchsfeldern in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen wuchs das erste in Deutschland produzierte Soja für das Unternehmen. Noch sind die Mengen relativ gering, aber sie sollen laut Angaben des Unternehmens stetig steigen.

Der Wurstproduzent will den Erfolg seiner fleischlosen Produkte weiter vorantreiben. Seit dem Herbst 2020 läuft eine Imagekampagne. Ein TV-Werbespot nimmt die Zuschauer sprichwörtlich mit auf eine Reise über Felder bis hin zum Esstisch, der das vegetarische und vegane Sortiment der Rügenwalder Mühle widerspiegelt und an dem jeder eine leckere Alternative zu Fleisch zu finden scheint – egal ob Schnitzel oder Wurstbrot.

Dass die Kampagne durch umfassende Maßnahmen auf den Social Media Kanälen YouTube, Instagram und Facebook begleitet wird, zeigt, dass das Unternehmen auf die junge Kundengruppe setzt.

„Mit der neuen Kampagne möchten wir noch mehr Lust auf Fleisch aus Pflanzen machen“, erklärte Godo Röben, Mitglied der Geschäftsleitung Marketing der Rügenwalder Mühle im vergangenen Herbst. „Wir haben damals den Trend früh erkannt und sind inzwischen am Markt voll etabliert. Dennoch möchten wir mit den Spots Verbraucher zum Probieren anregen und die Vielfalt des Sortiments verdeutlichen, ohne Vorschriften zu machen. Der Spot soll einfach dazu anregen, auch mal zu Alternativen zu greifen.“

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