Subline: Der Klimawandel hat ein Image-Problem Wir kennen vor allem die viel genutzten Motive des Klimawandels: schmelzende Polkappen, ertrinkende Eisbären und qualmende Industrieschornsteine. Dennoch ist der Klimawandel selten Bestandteil unserer Alltagsgespräche. Woran liegt das?  Dass diese Bilder nicht wirken, liegt vor allem an der einseitigen Darstellung dieser facettenreichen Problematik. Climate Outreach verfolgt deshalb das Ziel die Thematik in der Öffentlichkeit neu zu beleben durch die Formulierung eines entsprechenden Narrativs. Außerdem muss die Bildsprache angepasst werden, denn die Klimakrise hat viele Bilder und unterschiedlichste Auswirkungen, die entsprechend dargestellt werden müssen. Es geht um Bilder, die zeigen, wie sich die Klimakrise lokal auswirkt, aber gleichzeitig auch welche Chancen und Innovationen sie hervorbringt. Kurzum es fehlen authentische Bilder, die eine Verbindung zum eigenen Alltag herstellen.   Subline: Wie zeigt man den Klimawandel richtig? Die NPO kreierte sieben Kernprinzipien, wie man mit Bildern über den Klimawandel richtig kommuniziert. Um diese Prinzipien in Taten zu verwandeln, wurde von Climate Outreach das Programm Climate Visuals ins Leben gerufen. Die Erstellung des Programms begann auch hier mit einer simplen Frage. Ein Kunde fragte nach einer visuellen Kommunikationsstrategie für den Klimawandel. Als Climate Outreach dazu recherchierte, bemerkten sie, dass es diese Kommunikationsstrategie noch nicht gab. Den ersten Bericht dazu veröffentlichte die Umweltorganisation im Januar 2016. Hinter der NPO steht ein Team mit unterschiedlichsten Kompetenzen, das genau weiß, wie es die Menschen erreicht. Die Kommunikationsstärke setzt sich aus Kommunikationsexperten, Sozialwissenschaftlern und Klimaforschern zusammen, die gemeinsam den Klimawandel auf diese Weise bekämpfen wollen. Mit der richtigen Kommunikation und der korrekten Abbildung der größten Problematik des 21. Jahrhunderts versucht Climate Outreach eine umfassende Lösung zu bieten. Schließlich ist das Dilemma der Klimakrise vor allem eines ihres Images.  Damit die Klimakrise bildlich neu zum Ausdruck gebracht wird, führte das Programm eine Umfrage durch, die zwei verschiedene Methoden kombinierte. Zunächst wurden vier Diskussionsgruppen gegründet. Davon diskutierten je zwei Gruppen in London und Berlin. Hier besprachen die Teilnehmer verschiedene Klimakrisen-Bilder und diskutierten über deren Wirkung. Daraufhin erfolgte eine internationale Online-Befragung. Diese Umfrage umfasste 3.014 Befragte aus den USA, dem Vereinigten Königreich sowie Deutschland.  Daraus resultierten die Kernprinzipien beziehungsweise die folgenden sieben Regeln: Zeige authentische Personen auf Bildern und keine inszenierten  1.	Erzähle neue Stories 2.	Zeige Klimawandel-Auswirkungen im richtigen Verhältnis 3.	Die Auswirkungen der Klimakrise sind emotional-starke Bilder 4.	Kenne deine Zielgruppe 5.	Zeige lokale, aber ernste Auswirkungen 6.	Sei vorsichtig im Umgang mit Protestbildern  Die Umfrage kam zu dem Schluss, dass die meisten Menschen die klassischen Klimawandel-Bilder und -Geschichten kannten. Deshalb setzten sich nicht mehr aktiv mit diesen auseinander. Mit den 7 Regeln änderte sich das.  Somit entstanden nicht nur gänzlich neue Kernprinzipien in der Klimakrisen-Bildkommunikation, sondern führten auch zur Gründung von Climatevisuals.org. Dabei fungiert das Programm  laut eigenen Angaben als erste beweisgestützte Bild-Bibliothek der Welt. Dabei bleiben alle Rechte weiterhin bei den Fotografen, da Climate Visuals die Bilder nicht gehören. In den verschiedenen Galerien befinden sich thematisch-entsprechende Bilder, die mit einer Bildunterschrift versehen sind. Der Nutzer erfährt in kurzen Sätzen mehr über den Hintergrund des Fotos. Bild und Information verschmelzen zu einer neuen Darstellung des Klimawandels und schärfen den Fokus sowie den Wissenstand des Users. Ziel ist es von einer Protestkultur zurück zu einem öffentlichen Diskurs zu gelangen.      Subline: Wie sieht der Klimawandel nach den sieben Prinzipien aus?  Eine junge Frau steht auf einer hölzernen Leiter. fotografiert von Abbie Trayler-Smith, Panos Pictures. Eine wacklige Angelegenheit hoch in den Wipfeln. Doch die Frau ziert ein breites Lächeln, als sie die Solarpaneele neu justiert. Dieses Bild beschrieben die Teilnehmer als kraftvoll und leichtverständlich, und nahmen es als ein positives Beispiel im Kampf gegen den Klimawandel wahr.  Dieses Foto fällt dabei unter die Prinzipien: Zeig authentische Menschen und erzähle neue Stories. Ein weiteres Bild, eine weitere Story. Dass es in Indien immer wieder zu Überschwemmungen kommt, ist nicht überraschend zur Monsunzeit, jedoch werden diesen Regenfällen immer stärker. Auf diesem Bild erkennt man Menschen, die in einen Bus ein- und aussteigen, während sie mehr als knöcheltief im schlammigen Wasser stehen. Über ihren Köpfen sind Regenschirme gespannt. Bei diesem Bild hatten die Teilnehmer das Bedürfnis mehr über die abgebildeten Menschen zu erfahren. Ein Foto mit starker Wirkung: In entlegenen Gebieten, in denen es noch kein flächendeckendes Stromnetz gibt, ist Solarenergie eine günstige Möglichkeit Lampen erleuchten zu lassen. Dieses Bild fotografiert von Patrick Bentley (CC by 2.0) zeigt einen Jungen, der gerade seine Hausaufgaben macht. Es ist schon dunkel, aber dank der solarbetriebenen Leuchte kann er dennoch lernen. Bilder wie dieses lassen die Betrachter eine Verbindung aufbauen. Sie erkennen direkt einen positiven Nutzen der erneuerbaren Energien für den einzelnen Menschen.  Ein weiterer Faktor der erfolgreichen Bildkommunikation ist das Motiv an sich. Die Umfrage bewies, dass ein Bild länger betrachtet wird, wenn Menschen oder Tiere darauf abgebildet sind.  Neben der emotionalen Wirkung setzt Climate Visuals auf weitere Methoden. Eine davon ist die bildhafte Kontrapunktierung: Eine Waldabholzung auf der einen Seite und ein Mensch, der einen Setzling in einer ausgedörrten Landschaft pflanzt, auf der anderen Seite.  Durch die überwiegend visuelle Gestaltung des Internets hat Climate Visuals eine entsprechende Methodik entwickelt: Es werden mehrere Fotos aneinandergereiht oder zusammen abgebildet, um allein durch ihre Wirkung eine Geschichte zu erzählen. Anschließend wird diese Bilderreihe mit informativen Fakten untermauert.  Durch diese Methoden entstehen neue Wirkweisen und gleichzeitig wird eine nahbare sowie vielseitige Darstellung des Klimawandels kreiert.  Subline: Die Frage ist nun, hat dieses Programm tatsächlich etwas verändert?   Die britische Zeitung The Guardian hatte ihre redaktionellen Richtlinien hinsichtlich der bildlichen Darstellung des Klimawandels überdacht und dabei den Rat von Climate Visuals hinzugezogen. Gestützt auf die Erkenntnisse und Forschungsergebnisse des Programms, begann die berühmte Zeitung die Bilder entsprechend auszuwählen. Durch diesen Austausch erreicht Climate Visual indirekt bereits Millionen Leser im Vereinigten Königreich.  An dem Programm nehmen außer den Wissenschaftlern von Climate Outreach auch weltweit Fotografen teil. Sie bringen mit ihren Bildern diese wichtigen Stories in Umlauf und verschaffen ihnen dadurch Gehör.  Das Programm versucht, aufgebaut auf soziologischer Forschung in Europa und den USA, die aktuelle Bild-Kommunikation und Darstellung des Klimawandels nachhaltig zu verändern. Dadurch will es vor allem einen diverseren sowie emotional-zugänglicheren Umgang mit der Klimakrise gestalten. Gleichzeitig stellt Climate Visual mit diesem Programm eine bildgewaltige Ressource für verschiedenste Organisationen zusammen und stellt zugleich ein Handbuch für die richtige visuelle als auch sprachliche Kommunikation des Klimawandels zur Verfügung.  Mit diesen Mitteln können vor allem NGOs eine größere Zielgruppe erreichen und das Image des Klimawandels nachhaltig verändern. Zudem wird das Programm in Zukunft eine Partnerschaft mit TED Countdown eingehen, um die Wichtigkeit der Thematik weiter in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken.  Durch die Verwendung und Verbreitung eines neuen Narrativs sowie neuer visueller Ressourcen schafft es Climate Visuals vielleicht, dass wir in Zukunft ein Foto näher betrachten, und endlich über den Klimawandel sprechen, wie wir auch über das Wetter reden.

The climate change image crisis

Why the melting of the polar ice caps leaves us cold

Text: Samime Kutlu, 27.04.2021

It is the year 2004. In Oxford in the United Kingdom, Richard Sexton and George Marshall found Climate Outreach. With the NPO, they pursue the goal of incorporating climate change into public discourse by using a new narrative and authentic images. After all, even though the climate crisis is a widespread topic, people do not seem to be entirely aware of its effects. So what makes it so difficult to talk about climate change?

Climate change has an image problem

We are familiar with the often-used motifs of climate change, in particular: melting polar ice caps, drowning polar bears and smoking industrial chimneys. Yet climate change is rarely part of our everyday conversations. What is the reason for this? The fact that these images have no impact is largely due to the one-sided representation of this multi-faceted issue. That is why Climate Outreach is pursuing the goal of revitalizing the topic in the public sphere by formulating an appropriate narrative. In addition, the visual language needs to be adapted, because there are many images and a wide range of effects associated with the climate crisis, all of which need to be presented appropriately. We need images that show at once both the impact of the climate crisis at a local level and the opportunities and innovations it yields. In short, there is a lack of authentic images that create a link to people’s everyday lives.

How do you depict climate change correctly?

The NPO created seven core principles for communicating climate change correctly with images. In order to turn these principles into actions, Climate Outreach initiated the Climate Visuals program. Here, the creation of the program also began with a simple question. A customer inquired after a visual communication strategy for climate change. When Climate Outreach was carrying out research on this topic, it noticed that this communication strategy did not exist yet. The environmental organization published the first report on this in January 2016.

Behind the NPO, there is a team with a wide range of skills that knows exactly how to reach people. Its strength in communication comes from having communication experts, social scientists and climate researchers in its ranks that want to fight climate change together in this way. With the right communications and the correct depiction of the most serious problem of the 21st century, Climate Outreach is trying to offer a comprehensive solution. Ultimately, the dilemma of the climate crisis is primarily centered around its image.

In order to find a fresh visual expression of the climate crisis, the program conducted a survey that combined two different methods. First of all, four discussion groups were formed. Of those, two were located in London and two in Berlin. In these groups, the participants discussed various images of the climate crisis and their impact. Then an international survey was carried out online. This survey involved 3,014 respondents from the U.S., the United Kingdom and Germany.
This gave rise to the core principles and the following seven rules: Show real people in images and not staged photo-ops

  1. Tell new stories
  2. Show climate change impacts at scale
  3. Climate impacts are emotionally powerful images
  4. Understand your audience
  5. Show local but serious impacts
  6. Be very careful with protest imagery
Climate Visuals Boy

The survey came to the conclusion that most people were familiar with the classic climate change images and stories. That is why they no longer actively engaged with them. That changed with the seven rules.
These not only gave rise to completely new core principles for image communication concerning the climate crisis, but also led to the foundation of climatevisuals.org. By its own account, the program serves as the world’s first evidence-based image library. At the same time, the photographers retain all rights to the images because they are not the property of Climate Visuals.
The various galleries contain images concerning the relevant topic, each of which is accompanied by a caption. Short paragraphs provide the user with more background information relating to the photo. The image and information merge to create a new representation of climate change and enhance the focus and knowledge of the user. The aim is to steer clear of protest culture and return to public discourse.

What does climate change look like according to the seven rules?

A young woman is standing on a wooden ladder. photographed by Abbie Trayler-Smith, Panos Pictures. A precarious situation high in the treetops. But the woman has a big smile on her face as she adjusts the solar panels. The participants described this image as powerful and easy to understand, and perceived it as a positive example in the fight against climate change. This photo comes under the principles of “Show real people” and “Tell new stories”.

Climate Visuals Boy

Another image, another story. The fact that there is frequent flooding in India is no surprise during the monsoon season, but these showers are becoming increasingly heavy. In this image (copyright Hafiz Issadeen, CC by 2.0), you can see people getting on and off a bus while standing more than ankle-deep in muddy water and holding umbrellas above their heads. When viewing this image, participants expressed a desire to find out more about the people it shows.

A photo with a striking effect: In remote areas that still do not have an extensive utility grid, solar energy is a convenient way to power lamps. This image captured by Patrick Bentley (CC by 2.0) shows a boy doing his homework. It is already dark, but he can keep studying thanks to the solar-powered lamp. Images like this allow the viewer to feel a connection with the subject. They can immediately see a positive benefit of renewable energies for individual people.

Another factor in successful image communication is the subject of the image. The survey showed that viewers will spend more time looking at images featuring people or animals. In addition to relying on emotional impact, Climate Visuals uses other methods as well. One of these is to use contrast in images: deforestation on one side, and a person planting a sapling in a barren landscape on the other. Owing to the predominantly visual orientation of the internet, Climate Visuals has developed a corresponding method: Multiple photos are shown together, or in a row, in order to tell a story using their impact alone. Then, this sequence of images is underpinned with informative facts. These methods create impact in new ways and achieve an approachable and multi-faceted representation of climate change.

ClimateVisuals_Header

The question now becomes: Has the program actually changed anything?

British newspaper The Guardian has reconsidered its editorial guidelines concerning the pictorial representation of climate change, drawing on advice from Climate Visuals in the process. Based on the program’s insights and research findings, the renowned newspaper began to select its images accordingly. Through this exchange, Climate Visuals is already reaching millions of readers in the United Kingdom indirectly.

In addition to the researchers from Climate Outreach, photographers from around the world take part in the program. With their images, they get these important stories circulating, thereby gaining people’s attention. The program is attempting to build on sociological research in Europe and the U.S. and permanently change the current visual communication and representation of climate change. In this way, it wants – above all – to shape a more diverse and more emotionally accessible way of dealing with the climate crisis. At the same time, with this program, Climate Visuals is both putting together a visually stunning resource for a wide range of organizations and providing a handbook for communicating climate change correctly in visual as well as verbal forms.

NGOs in particular can use these means to reach a larger target group and permanently alter the image of climate change. In addition, the program will enter into a future partnership with TED Countdown to further highlight the importance of the issue for the public. By using and circulating a new narrative as well as new visual resources, Climate Visuals may cause us to look more closely at a photo in future, and finally talk about climate change – just as we would about the weather.

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