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Mit ‚Sex sells‘ das Klima retten – wie geht das?

Unkonventionelle Wege um das Klima zu retten

Australien brennt, die Antarktis bricht auseinander, jedes Jahr verschwinden Zehntausende Tierarten. Unsere Umwelt ist im Krisenmodus. Das lesen wir fast täglich in den Medien. Schon ein kleiner Spenden-Beitrag könnte helfen. Dennoch sehen viele Menschen lieber weg. Warum ist das so? Wir haben Menschen gefunden, die um das Problem wissen und daher unkonventionelle Wege gehen.

Es war Ende vergangenen Jahres, als sich die Buschbrände in Australien ausbreiteten, angefeuert von starken Winden. Ähnlich diesem Feuer, verbreitete sich in den sozialen Netzwerken das Bild einer an vielen Orten brennenden Landkarte des Kontinents. So nutzten zahlreiche Menschen ihre Reichweiten, um auf die Katastrophe aufmerksam zu machen. Kinder mit verrußten Gesichtern, Koalas mit versengtem Fell – solche Bilder folgten meist in den Stories der Spendenaufrufe, dann oft ein direkter Link zur Spendenseite nur einen Wisch entfernt.

So oder ähnlich kennen wir Spenden-Aktionen im Netz. Kaylen Ward ging noch einen Schritt weiter. Auch das US-amerikanische Instagram-Model veröffentlichte eine lange Liste von Hilfsorganisationen mit dem Ziel, ihre Follower zum Spenden zu bewegen. Doch um für mehr Aufmerksamkeit zu sorgen, gab sie einen erotischen Anreiz. Für jede 10 US-Dollar, die an helfende Organisationen in Australien gespendet wurden, verschickte sie ein Nacktbild von sich.

Innerhalb von etwas mehr als 24 Stunden habe sie nach eigenen Angaben 20.000 Nachrichten auf Twitter erhalten. In einem Interview mit der Bild sagte sie dazu: „Es hört sich verrückt an, aber ich musste ein paar Leute einstellen, die den Messenger-Dienst sichten, die Spenden checken und ein scharfes Foto schicken mussten“. Nach ihren Aussagen, sollen mittlerweile 700.000 US-Dollar an Spenden zusammen gekommen zu sein.

Gleichwohl, wieviel Spenden es nun exakt sind. Ohne ihren körperlichen Einsatz, der ihr ganz nebenbei auch noch die Sperrung ihres Instagram-Accounts kostete, hätte Ward wahrscheinlich deutlich weniger Menschen erreicht und weniger Geld eingesammelt. Doch warum ist das so?

Eine der Gründe ist die Distanz, die zwischen einem Individuum und dem Ereignis liegt. Das fanden Wissenschaftler der University of New England in einer Studie heraus. Das Phänomen der Psychologischen Distanz, bei der ein Problem entweder räumlich, zeitlich oder auch kulturell zu weit entfernt scheint, bestätigte sich in einer Befragung zum Thema Klimawandel. „Als wir Botschaften präsentierten, die darauf abzielten, die psychologische Distanz zu vergrößern, sorgten sich unsere Teilnehmer weniger um den Klimawandel und distanzierten sich zunehmend“, berichteten die Forscher in einem Artikel des britischen „Guardian“.

Oft sind Menschen auch überfordert durch das Ausmaß einer Notlage. Das belegt Paul Slovic, Psychologieprofessor an der University of Oregon in den USA, der sich seit Jahren mit der Psychologie des Spendens beschäftigt. Es ist auch der Grund, warum viele Spendenorganisationen bei ihren Aufrufen auf Einzelschicksale setzen. Mittels eines Experiments fand er heraus: Bekommen wir nur Zahlen und Statistiken gezeigt, die zwar die Größe des Problems widerspiegeln, uns emotional aber nicht erreichen und vor eine viel größere Herausforderung stellen, spenden wir deutlich weniger.

Darüber hinaus fühlen wir uns auch einfach besser, wenn wir sehen, dass unsere Unterstützung, sei es durch Spenden oder ehrenamtliches Engagement, Wirkung zeigt. Und auch das ist laut Slovics Studie ein wichtiger Motivator für mehr Spenden. Fühlt sich die Hilfe dagegen an wie ein Tropfen auf den heißen Stein, sinke die Bereitschaft zu spenden deutlich.

Um die Wichtigkeit der Psychologie beim Thema Klimawandel weiß auch Carl Fechner. Der Regisseur und Umweltaktivist ist für sein aufmerksamkeitserregendes, ehrenamtliches Engagement bekannt. Mit seinem Dokumentar-Film „Die 4. Revolution – Energy Autonomy“ erreichte er bereits vor 10 Jahren weltweit rund sieben Millionen Menschen. Er berichtet über den weltweiten Kampf um eine saubere, sichere und gerechte Zukunft durch zentrale, erneuerbare Energien.

Denn dafür setzt sich Fechner auch persönlich ein – für den vollständigen Umstieg auf erneuerbare Ressourcen. 2019 erhielt Fechner den deutschen Solarpreis für sein Engagement, gilt zudem als Vorreiter und Leitbild der heutigen Klimabewegung. Aber es gibt auch Bedenken wegen Fechners filmischer Umsetzung. Zu schön, zu emotional könnte die Darstellung sein und es Kritikern damit allzu leichtmachen, Fechner der Schönfärberei zu bezichtigen. Doch es ist eben auch diese Ästhetik, die Leute in die Kinos treibt. Fechner macht Dokumentarfilme populär, weil er sie wie Spielfilme arrangiert. Sein Ziel: Die Zuschauer unterhalten, sie ein Stück weit glücklich aus dem Kino gehen sehen. Mit seinem Film will er über das Herz an den Verstand seines Publikums. Vielleicht kann sein Film so sogar dazu beitragen, die aus Fechners Sicht größte Barriere für die Energiewende aus dem Weg zu räumen: „Die Lethargie der Menschen. Dieses ‘zur Seite schauen‘, dieses ‘eigentlich müsste man, aber ich tu es nicht‘ – die Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln.“

Climate Warriors

Auch in Fechners neuerem Werk „Climate Warriors“ wird deutlich, dass wir uns dem Klimawandel widmen müssen und das Thema aktueller denn je ist. Hier geht’s zum Trailer.

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