Auf den Tisch statt in die Tonne – per Knopfdruck

Mit UXA gegen Lebensmittelverschwendung

Es gibt Zahlen die kann man nicht erfassen –  geschweige denn begreifen. So ist es auch mit den 3,5 Millionen Tonnen Lebensmittelabfällen, die jährlich allein in deutschen Privathaushalten anfallen und die vermeidbar sein könnten. Laut dem Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) landet jedes achte Lebensmittel, das gekauft wird, später in der Tonne. Daran soll UXA – eine Anwendung auf dem Smartphone – etwas ändern. Die App könnte einen Weg bieten, dass ein kleiner Schritt von Vielen in Summe etwas bewirken vermag. Wir zeigen, welcher Kopf hinter dem Konzept von UXA steckt und wie die App funktioniert.

Eigentlich ist die Idee, die Lisa Zvonetskaya aus München hatte, gar nicht neu. Seit 2012 gibt es die Website Foodsharing.de. Dort können private und gewerbliche Nutzer ebenfalls ihr übriggebliebenes Essen an Personen in der Umgebung verteilen. Die studierte Betriebswirtin Lisa Zvonetskaya sah dennoch eine Chance für ihre Idee. Denn eine App auf dem Smartphone zum Teilen und Verschenken von Lebensmitteln, wie sie sie vor Augen hatte, gab es bis dahin noch nicht, erklärt die 31-jährige, die 2017 UXA gründete.

Einfache App mit ungewöhnlichem Namen

Warum sich Lisa Zvonetskaya für den Namen UXA entschieden hat, wird nur Menschen bewusst sein, die der russischen Sprache und damit der Muttersprache der jungen Frau mächtig sind. Denn im Russischen bedeutet der Begriff Fischsuppe. „Und die würde nie jemand wegwerfen“, ist sich Lisa Zvonetskaya sicher.

So eindringlich und prägnant der Begriff, so funktioniert auch die App selbst. Intuitiv eben. So müssen Nutzer zunächst die kostenlose App herunterladen. Dann genügen ein Foto, eine kurze Beschreibung mit Mindesthaltbarkeitsdatum, Standort der Lebensmittel und ein Click aus, um überschüssiges Essen bei UXA einzustellen. Etwa dann, wenn man kurz vor dem Urlaub noch viele Reste im Kühlschrank hat. Die App zeigt auf einer Karte alle Produkte in einem selbst gewählten Umkreis. Und genau diese Einfachheit soll die Idee hinter der App zum Erfolg führen.

Ein Konzept wie das von UXA braucht jedoch ausreichend Möglichkeiten zum „Matching“. Das impliziert, dass eine gewisse kritische Masse von Nutzern nötig ist, damit das Projekt ein Erfolg wird. Nach Ansicht der Gründerin sollten das 100.000 sein, derzeit hat ihr Portal nach eigenen Angaben rund 40.000 Nutzer, vorwiegend in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München. Das heißt im Klartext: 64.000 fehlen noch für ihr selbstgesetztes Ziel.

Doch um die Verbreitung der App anzukurbeln braucht sie weiteres Geld. Von ihrem eigenen Geld habe sie zu Beginn bereits einen niedrigen fünfstelligen Betrag in die App gesteckt, der vor allem in die Programmierung geflossen sei. Daher brachte sie im Frühsommer eine Crowdfunding-Kampagne auf den Weg, um Investoren für ihr Projekt zu begeistern. Von den anvisierten 15.000 Euro kamen allerdings nur knapp 2000 Euro von 46 Unterstützern zusammen. Ausgezahlt wurde davon nichts. „Das Geld hätte es nur bei Erreichen der Zielsumme gegeben“, so die Gründerin, die die Aktion dennoch als Erfolg verbucht. Denn mit der Kampagne für die Finanzierung sei auch die App bekannter geworden, sagt sie. Die tägliche Registrierung von Nutzern sei während der Kampagne von durchschnittlich 60 auf bis zu 200 gestiegen.

Lisa Zvonetskaya will mit ihrer UXA-App zum Teilen und Verschenken von Lebensmitteln animieren.

Und je mehr Nutzer, desto weniger Lebensmittel werden verschwendet, da ist sich Zvonetskaya sicher. Die Monetarisierung ihrer Idee sieht sie für sich selbst als nachgelagert an. Ihr fester Job sichere ihr Einkommen, sodass sie nicht von dem finanziellen Erfolg ihrer App abhängig sei, sagt Lisa Zvonetskaya, die ihr Geld als IT-Projektleiterin verdient.

Preisgekrönte Idee

Auch wenn Verbreitung der App andauert – von Seiten der Politik gibt es bereits Anerkennung. Das Bayerische Landwirtschaftsministerium zeichnete die junge Gründerin 2018 bei einem Wettbewerb um innovative Ideen zur Vermeidung von Lebensmittelverlusten aus. Auf lebensmittelwertschaetzen.de, einer Webseite des BMEL, wird ebenfalls auf ihr Projekt verwiesen.

Für die Zukunft wünscht sich die Gründerin, dass UXA zu einem richtigen Nachbarschaftsnetzwerk wird. Derzeit arbeitet sie an einer neueren Version der App sowie an der Akquise eines Partners. „Ich glaube daran, dass jeder einzelne so etwas bewirken kann.“

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