Nachhaltigkeit Grüne Unternehmen

Die phantastische Welt der Grünen Start-ups

... und wo sie zu finden sind

Deutschland entwickelt sich immer mehr zum Land der grünen Gründer. Rund 6.000 Start-Ups gibt es mittlerweile in Deutschland, die aufgrund ihrer ganz konkreten Beiträge zum Umwelt- und Klimaschutz als grün eingestuft werden. Grund genug also, mal genauer hinzuschauen. Wir verschaffen uns einen Überblick über die Green-Start-Up-Szene in Deutschland und stellen einige besonders interessante junge Unternehmen näher vor.

Jahr für Jahr veröffentlicht das Berliner Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit den Green Startup Monitor, der die aktuellsten Entwicklungen im Bereich der grünen Start-Ups zusammenfasst. Und ebenso Jahr für Jahr schreiben die jeweils aktuellen Minister und Ministerinnen aus dem Bundesumwelt- sowie dem Bundeswirtschaftsministerium Beiträge für das Vorwort.

Das Thema hat also auch für die Politik Gewicht. Kein Wunder, schließlich war Green Economy das zentrale Thema des UN-Nachhaltigkeitsgipfels 2012 in Rio, in dessen Anschluss der Bund seine Green Economy Agenda erarbeitet hat, mit der er die deutsche Wirtschaft hin zu mehr Green Economy unterstützen will. Ein zentraler Punkt ist die Unterstützung der Forschung in diesem Bereich.

Grüne Start-Ups: jung, innovativ, ambitioniert, ökologisch

Wichtig ist hierbei dir Definition, also die Frage: Was zeichnet ein Green Start-Up aus? Als Green Startup zählt ein Unternehmen, das jünger als 10 Jahre und sehr innovativ ist und/oder ein geplantes Mitarbeiter- bzw. Umsatzwachstum hat und das mit seinen Produkten oder Dienstleistungen einen Beitrag zu den ökologischen Zielen einer Green Economy leistet.

Green Economy – das sind die Ziele

Laut Definition des Bundesumweltministeriums ist eine Green Economy eine mit Natur und Umwelt im Einklang stehende, innovationsorientierte Volkswirtschaft, die

  • schädliche Emissionen und Schadstoffeinträge in alle Umweltmedien vermeidet,
  • auf einer Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft beruht und regionale Stoffkreisläufe so weit wie möglich schließt,
  • den Einsatz nicht erneuerbarer Ressourcen absolut senkt, insbesondere durch – eine effizientere Nutzung von Energie, Rohstoffen und anderen natürlichen Ressourcen und – die Substitution nicht-erneuerbarer Ressourcen durch nachhaltig erzeugte erneuerbare Ressourcen,
  • langfristig eine ausschließlich auf erneuerbaren Energien basierende Energieversorgung erreicht und
  • die biologische Vielfalt sowie Ökosysteme und ihre Leistungen erhält, entwickelt und wiederherstellt.

Die Branchen der grünen Start-Ups: IT-Branche hat die Nase vorn

Grundsätzlich kann man feststellen, dass sich grüne Start-Ups mehr oder weniger gleichmäßig über fast alle Wirtschaftszweige verteilen. Der dominierende Bereich ist die IT-Branche, zu der 17 Prozent aller deutschen Green Start-Ups gehören, gefolgt von Nahrungsmitteln (10 Prozent), Konsumgütern (9 Prozent), Landwirtschaft (7 Prozent ) und Energie (7 Prozent).Interessant ist, dass die Versicherungsbranche laut der Studie von Borderstep bislang gar keine grünen Start-Ups aufweisen kann.

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Circunomics – ein kommender Big Data Superstar aus Mainz?

Vielleicht schafft es Circunomics das Beste zu schaffen, was ein Unternehmen überhaupt erreichen kann: einen völlig neuen Markt zu kreieren. Im Fall des Mainzer Start-Ups geht es dabei um das Recycling und den Handel gebrauchter Lithium-Ionen-Batterien, von denen aktuell nur 5 Prozent weltweit überhaupt recycelt werden.  Mit dem Einsatz von Big Data und künstlicher Intelligenz will Patrick Peter, der Gründer von Circunomics, die erste offene Plattform für Recycling, Wiedervermarktung sowie Zertifizierung von Batteriekomponenten und Recyclingstoffen aufbauen und damit einen neuen Markt mit einem Volumen von acht Milliarden Euro erschaffen.

Angetrieben wird Peter dabei von einem klaren Traum: „Unsere Vision ist Zero Waste, ermöglicht durch Daten.“

Grundlage für den Erfolg von Circunomics soll die eigene Batterie-Datenbank werden, in der eine enorme Menge Daten von Lieferketten-Informationen, Lifecycle-Management-Daten, bis hin zu in Echtzeit gesammelten Telematikdaten praktisch aller Lithium-Ionen-Batterien weltweit gespeichert, verarbeitet und zur Verfügung gestellt werden können. Über die ebenfalls mit der Datenbank verbundenen Handelsplattform von Circunomics können Unternehmen dann gebrauchte Batterien oder einzelne Komponenten ein- oder verkaufen. Sogar eine Anbindung an die Londoner Metal Exchange ist in Planung, wo dann sogar seltene Mineralien aus Batterien wie z.B. Kobalt gehandelt werden können.

Das Vorhaben von Circunomics beeindruckt sogar etablierte  IT-und Datenriesen. Bei der Circular Economy 2030 Competition von Google und SAP auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos erkämpfte sich Circunomics einen Platz im Finale und gehört damit zu den beachtetsten Start-Ups weltweit im Bereich der Circular Economy.

Wo Deutschland am grünsten ist: So verteilen sich die Green Start-Ups in der Republik

Die meisten grünen Start-Ups hat Nordrhein-Westfalen aufzuweisen. Immerhin 20 Prozent aller Green Start-Ups in Deutschland haben hier Ihren Sitz, vor allem in der Rhein-Ruhr-Metropolregion. Direkt hinter NRW rangiert Berlin mit 15 Prozent. Auf den Plätzen folgen Baden-Württemberg (13 Prozent) sowie Bayern und Niedersachsen mit je 10 Prozent.

Noch etwas spannender wird es, wenn man nicht die absoluten Zahlen betrachtet, sondern danach schaut, in welchen Regionen der prozentuale Anteil grüner Startups an allen Neugründungen am höchsten ist. Dann dominieren plötzlich der Norden und der Osten Deutschlands. Angeführt wird dieses Ranking von Schleswig-Holstein mit 32 Prozent, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (31 Prozent) und Sachsen (30 Prozent).

Green Start Ups in Deutschland© DTLD Karten
Die Alpen am Rhein: Deutschlands Green Start-Up Topographie
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Sustainabill – nachhaltiges Supply-Chain-Management in der Cloud

Weltweit wächst das Bewusstsein von Konsumenten, dass Produkte nicht einfach nur aus einer Fabrik kommen, sondern eine ganze Liefer- und Wertschöpfungskette hinter sich haben. Je mehr dieses Bewusstsein wächst, umso mehr verlangen Konsumenten Transparenz in der Lieferkette. Sie wollen sicher sein, dass ihre Produkte auch in der Lieferkette allen Aspekten der Nachhaltigkeit genügen. Das neue Smartphone macht einfach keinen Spaß mehr, wenn für die seltenen Erden in den Chips Ökosysteme ruiniert und in der Produktion Menschen massiv ausgebeutet werden.

Unternehmen stellt das vor große Herausforderungen, denn Lieferketten sind in einer globalisierten Wirtschaft hochkomplexe Gebilde aus Lieferanten in den unterschiedlichsten Regionen der Welt mit unterschiedlichsten Verwaltungsstrukturen und mit Sub-Lieferanten und Sub-Lieferanten der Sub-Lieferanten. Für nicht wenige Unternehmen ist das mit den gängigen Methoden eine kaum leistbare Aufgabe.

Genau das will das 2017 aus dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie heraus gegründete Green Start-Up Sustainabill aus Köln jetzt ändern.„Mehr und mehr Unternehmen wollen Managemententscheidung auf Basis von Nachhaltigkeitskriterien treffen, haben dafür aber nicht die passenden Daten. Genau das ändern wir“, fasst Klaus Wiesen, CEO und Mitbegründer von Sustainabill  zusammen, was sein Start-Up leistet.

Dazu haben Sie eine Onlineplattform entwickelt, mit der Unternehmen mit deutlich geringerem Aufwand ihre Lieferketten bis in kleinste Detail visualisieren und alle Nachhaltigkeitsaspekte darin nachvollziehen und überwachen können. Basis dafür ist die stetig wachsende Datenbank von Sustainabill mit entsprechenden Nachhaltigkeitsinformationen über Lieferanten in der ganzen Welt wie z.B. Zertifizierungen, Rohstoffdaten, Produktionsdaten einzelner Produkte und Vorlieferanten. Diese Daten kommen von Unternehmen, den Lieferanten selbst oder werden von Sustainabill recherchiert und eingepflegt. Die Selbstauskünfte validiert Sustainabill mit externen Daten wie Satelliteninformationen oder durch automatische Plausibilitätsprüfungen.

Dank der umfangreichen Datenbank können Unternehmen dann mit Sustainabill jederzeit aktuelle Informationen über die ökonomischen, ökologischen und sozialen Nachhaltigkeitsaspekte ihrer Lieferkette im Blick behalten.

Wie wichtig das Thema nachhaltige Lieferkette mittlerweile ist, sieht man der beeindruckenden Kundenliste, die sich in Teilen wie ein Who-is-Who der deutschen Wirtschaft liest. Volkswagen, Audi, Metro und Zalando nutzen Sustainabill, um die Nachhaltigkeit Ihrer Lieferketten transparent zu machen und um mit den gewonnenen Daten nachhaltige Managemententscheidungen zu treffen.

Genau richtig findet das Klaus Wiesen: „Die Digitalisierung wird dafür sorgen, dass sich schmutzige Unternehmen in Zukunft nicht mehr verstecken können. Unternehmen, die Wälder roden oder Flüsse verschmutzen kann man mit Satellitendaten schnell auf die Schliche kommen. Wenn bekannt ist, welche Lieferanten an den Zuliefererketten beteiligt sind, werden große Marken mehr Verantwortung für Ihre Zulieferer übernehmen, um dafür zu sorgen, dass Missstände behoben werden.“

Arm, aber sexy – Green Start-Ups haben größere Finanzierungsschwierigkeiten als konventionelle

Grüne Start-Ups sind zunächst mal Unternehmen wie alle anderen auch. Das bedeutet, sie brauchen Kapital. Und genau in diesem Punkt sind Green-Start-Ups in Deutschland mit höheren Hürden konfrontiert, als junge Unternehmen in nicht-grünen Bereichen.

Eine Befragung des Borderstep Instituts ergab, dass neben staatlichen Förderungen Familie und Freunde die wichtigsten Geldgeber für grüne Start-Ups sind. Fast ein Drittel der deutschen grünen Start-Ups sind demnach powered by „Tante Erna und Opa Heinz“. Insbesondere in wirtschaftlich unsicheren Zeiten mit drohender Arbeitslosigkeit wie der Covid-19-Krise, bedeutet das eine nicht zu unterschätzende Gefährdung der Innovationskraft in Sachen Green Economy.

Vor allem größere Investoren glänzen bei den Green Start-Ups mit Abwesenheit. Während sich 25 Prozent der konventionellen Start-Ups mit Business Angels finanzieren können, gelingt das aktuell nur 17 Prozent der grünen Start-Ups. Noch krasser ist die Diskrepanz beim Venture Capital. Von den Wagniskapitalgebern erhalten immerhin 17 Prozent der konventionellen Start-Ups Kapital, aber nur 9 Prozent der grünen.

Ein Lichtblick: das Crowdfunding. Immerhin 9 Prozent der grünen Start-Ups können sich auf diesem Weg erfolgreich mit Kapital versorgen. Diesen Weg beschreiten bei den konventionellen Start-Ups nur 4 Prozent, vielleicht aber auch deshalb, weil sie bei den anderen Kapitalquellen erfolgreicher sind. Das zeigen Zahlen des  Green Startup Monitor 2020.

Green Start-Ups – vergleichsweise mehr Frauen in der Szene

Ein Unternehmen zu gründen ist in Deutschland immer noch hauptsächlich Männersache. Auch bei den Green Start-Ups, allerdings sieht es hier etwas besser aus, als bei den konventionellen Neugründungen.

Immerhin 22 Prozent der grünen Start-Ups wurden 2019 von Gründerinnen ins Leben gerufen. Zum Vergleich: Der Gründerinnenanteil bei den konventionellen Start-Ups lag im gleichen Zeitraum bei gerade mal 13 Prozent. Von Gender Equality sind wir also in beiden Bereichen noch weit entfernt.

Das zu ändern, wird vor allem eine Sache des Staates sein, der Gründerinnen stärker fördern muss, um zu einer gerechteren Verteilung zu kommen. Aber auch Wagniskapitalgeber sollten verstärkt daraufsetzen, in Unternehmen von Gründerinnen zu investieren.

Nachhaltiger Löffel Spoontainable© Spoontainable
Ein essbarer Eislöffel? Ja! Spoontainable fertigt aus Kakaofasern, einem Abfallprodukt aus der Lebensmittelindustrie dieses ganz besondere Besteck.

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Spoontainable – nachhaltiges Besteck zum Mitessen

Die Welt hat ein Problem: Plastik. Jahr für Jahr werden Milliarden und Abermilliarden von Einwegplastikprodukten kurz genutzt und dann weggeworfen. Dann liegen sie auf Müllkippen, wo sie nicht verrotten oder verwandeln sich Flüssen und Meeren zu noch schädlicherem Mikroplastik. Um das zu ändern, hat die EU beschlossen, eine Vielzahl von Einwegprodukten aus Plastik ab 2021 zu verbieten.

Für das Stuttgarter Start-Up Spoontainable der drei Gründerinnen Amelie Vermeer, Julia Piechotta und Anja Wildermuth könnte 2021 deshalb das Jahr des endgültigen Durchbruchs werden.

Die Gründerinnen, die sich während Ihres Studiums an der Uni Hohenheim kennenlernten, haben einen essbaren Eislöffel aus Kakaofasern entwickelt. Diese Fasern sind ein Abfallprodukt aus der Lebensmittelindustrie, das bislang ungenutzt weggeworfen wurde.

Essbare Eislöffel aus Plastik – beim ersten Hören klingt das erstmal sehr klein, sehr nach Nische. Das ändert sich aber schnell, wenn man sich die absoluten Zahlen vergegenwärtigt. In Deutschland werden jedes Jahr 360 Millionen Eislöffel aus Plastik verbraucht. Der überwältigende Anteil davon wird nach einem Gebrauch weggeworfen. Eine nachhaltige Alternative aus essbaren Fasern kann hier also wirklich einen bedeutenden Unterschied machen. Wenn sie auch genutzt, also in diesem Fall gegessen wird. Denn ansonsten gibt es einfach statt Plastikabfall Lebensmittelabfall.

Deshalb gibt es die sogenannten Spoonies bislang in zwei Geschmacksrichtungen: Schokolade und Haferkeks. Bei beiden Varianten haben die Gründerinnen neben der Haltbarkeit – ein Löffel hält ca. 60 Minuten Eis essen aus –  vor allem auf den Geschmack geachtet.

Das Spoontainable ein großer Erfolg sein kann, davon sind mittlerweile nicht nur die Gründerinnen überzeugt. So konnte sich Spoontainable beim Start-up BW Elevator Pitch 2019 des Landes Baden-Württemberg im Finale gegen 13 andere regionale Gewinnerteams durchsetzen. Ende 2019 kam dann der nächste Erfolg: Gegen 80 andere Start-Ups setzte sich Spoontainable bei einem Start-Up-Pitch von Aldi durch und wird nun gemeinsam mit dem Accelerator-Förderprogramm TechFounders dabei unterstützt, die Idee der essbaren Eislöffel für Aldi in die Tat umzusetzen.

Unser Ausflug in die Green-Start-Up-Szene zeigt: Es gibt eine Menge nachhaltigen Innovationsgeist in Deutschland. Und das gibt berechtigten Anlass, auf eine lebenswerte, nachhaltige Zukunft zu hoffen. Für Deutschland. Und für die Welt.

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