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Personen bauen PV-Anlage auf den Dächern

Fortschritt durch grünen Strom

Wie Uganda Erneuerbare Energien nutzen will

Text: Mareike Scheffer, 29.06.2022

Atemberaubende Natur, lebhafte Städte, mehr als 30 verschiedene Sprachen und eine Vielzahl an attraktiven Reisezielen: Uganda ist vielschichtig und hält einige Überraschungen bereit. Auch beim Thema Energieversorgung. Denn das ostafrikanische Land hat beim Thema erneuerbare Energien weit mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick vermutet. Und dennoch leben in weiten Teilen Ugandas immer noch viele Menschen ohne sichere Stromversorgung. Das soll sich in den kommenden Jahren ändern. Insbesondere Solarenergie und Wasserkraft bereiten den Weg für bessere Lebensbedingungen, für Bildung, Arbeit und Wohlstand.

Gut 15 Flugstunden von Deutschland entfernt, östlich vom Kongo und westlich von Kenia liegt der afrikanische Binnenstaat größtenteils auf einem Plateau um die 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Im Süd-Osten begrenzt der Victoriasee. Berge, Seen und rötlich-staubige Straßen prägen das Landschaftsbild. Doch so malerisch die ländlichen Regionen auch sind: Uganda gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Hier leben rund 42 Mio. Menschen. Viele von ihnen – vor allem in den entlegeneren Dörfern und Bergregionen – sind immer noch ohne konstante Versorgung mit Strom und Trinkwasser. Ein Fakt, der Armut zementiert.

Dabei verfügt Uganda über eine Vielzahl an natürlichen Ressourcen zur Energiegewinnung. Neben ausreichend Wasser und reichlich Biomasse (Torf), besitzt das Land großes Potenzial für die Erzeugung von Strom aus Sonne, Wind und Geothermie. Und es ist auch eine Überraschung, dass sich der Strom-Mix bilanziell bereits heute erstaunlich grün liest. Aus Sonne, Wind und Biomasse sind es 12 Prozent und 68 Prozent liefert die Wasserkraft. Knapp 20 Prozent des aktuell erzeugten Stroms kommt aus fossilen Energieträgern.

Diesen Anteil gilt es zu verringern und die neue Versorgung von Grund auf auf der Basis erneuerbarer Energieträger aufzustellen. Das Kernproblem liegt aber eben darin, dass immer noch zu wenig Menschen Zugang zu Strom haben. Die Energieversorgung des Landes ist an vielen Orten immer noch unzureichend und das liegt auch daran, dass verfügbare Ressourcen bislang zu wenig genutzt werden.

Verschärft wird diese Situation durch eine in vielen Fällen ineffiziente Energienutzung. Um eine saubere Energiegewinnung aus erneuerbaren Energien voranzutreiben und den Zugang zu Strom für mehr Menschen zu ermöglichen, gibt es bereits Initiativen – auch aus Deutschland.

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH berät im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Europäischen Union (EU) die ugandische Regierung dabei, Strom in die ländlichen Gebiete in Uganda zu bringen. Das große Ziel: Bis zum Jahr 2040 will die ugandische Regierung Strom für die ganze Bevölkerung bereitstellen können. Eine anspruchsvolle Aufgabe, denn es gibt mehr als 50.000 Dörfer landesweit und der Zugang zu Strom liegt aktuell bei etwas mehr als 20 Prozent der Bevölkerung.

Nationale Strategie mit Ideen aus Deutschland

Die GIZ unterstützt etwa das ugandische Energieministerium dabei, eine nationale Elektrifizierungsstrategie zu erarbeiten. „Ziel ist es, das Land mindestens zur Hälfte dezentral und mit Solarenergie und Biomasse zu elektrifizieren“, erklärt eine Sprecherin der GIZ im Gespräch mit Sonnenallee. Wichtig seien dabei auch bessere Rahmenbedingungen für privatwirtschaftliche Investitionen. Daher unterstützt die Organisation die ugandische Regierung auch in diesem wichtigen Punkt; etwa durch vereinfachte Lizensierungsverfahren für Energiedienstleistungen. Dazu gehört beispielsweise der Handel mit Strom und die Einhaltung von Standards wie der geeigneten Stromspannung.

Nicht privatwirtschaftlich, sondern völlig ehrenamtlich engagieren sich etwa Menschen aus der Mitte Deutschlands, um das Leben in Uganda ein gutes Stück besser zu machen. Hierzu gehört der Verein Tohifu, TOGETHER – Hilfe für Uganda e.V. mit Sitz in Kassel.

Photovolataikanlage auf Dach
„In einer Region ohne jede zentrale Stromversorgung bedeutet der Zugang zu elektrischer Energie für die dort lebenden Menschen eine völlige Veränderung des Lebens.“ - Heinz Claßen, TOGETHER
Selfie Clasen Halpape und kind

Besseres Leben durch bessere medizinische Versorgung

Und auch geht es im Kern der Hilfe immer wieder um eines: sauberen und sicheren Strom. Kernanliegen des Vereins sind die Trinkwasserversorgung in entlegenen Regionen, die Verbesserung der medizinischen Versorgung und der Bildungschancen vor Ort. Ein herausragendes Projekt des Vereins, das stetig weiterentwickelt und vorangetrieben wird, liegt in der Region Kooki im Westen des Landes. Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Schulen gab es damals hier nicht, als Heinz Claßen zum ersten Mal dorthin reiste.Claßen engagiert sich seit seinem beruflichen Ruhestand gemeinsam mit seiner Frau in dem Kasseler Verein.

„In einer Region ohne jede zentrale Stromversorgung bedeutet der Zugang zu elektrischer Energie für die dort lebenden Menschen eine völlige Veränderung des Lebens“, erklärt er.  Angefangen habe der Wandel in Kooki mit der ersten dort installierten Solarstromanlage, mit der die Energie für den Betrieb eines Tiefbrunnens erzeugt wurde. Damit bekamen mehr als 5.000 Menschen sicheren Zugang zu Trinkwasser. Die mit Hilfe des Vereins errichteten Solaranlagen konnten aber nicht nur die Wasserpumpen betreiben, nun konnte auch ein Schulstandort für über 2000 Schülerinnen und Schüler entstehen. Beleuchtung, ein Computerlabor, Zugang zum Internet und Energie für die Mobiltelefone waren die Voraussetzungen für den Erfolg der St. Andrea Kaahwa Schulen, die heute zu den besten im Westen des Landes zählen. Ebenso siedelten sich mit der Zeit in der Region immer mehr kleinere Geschäfte und Unternehmen an.

Jemand der den positiven Effekt ebenfalls hautnah vor Ort miterleben und mitgestalten durfte, ist Dennis Halpape, Projektmanager im Bereich Energy Systems des Kasseler Unternehmens SMA Solar Technology. Gemeinsam mit einigen Arbeitskollegen reiste er privat als Teil des Vereins TOGETHER nach Uganda, um vor Ort Insel-Solarsysteme (auch Mini-Grids genannt) zu installieren.

„Der Zugang zu Strom bedeutet für die Menschen vor Ort, dass das Leben nicht mehr nach Sonnenuntergang heruntergefahren wird“, schildert Dennis seine Eindrücke. „Als ich vor 12 Jahren das erste Mal vor Ort war, brannte in der Region Kooki kaum ein Licht, das ist heute anders. Als ich zuletzt vor Ort war, florierten vor allem die kleinen Geschäfte, die durch den direkten Zugang zu Strom jetzt eine ganz andere Basis haben.“

Männer auf Dach
"Der Zugang zu Strom bedeutet für die Menschen vor Ort, dass das Leben nicht mehr nach Sonnenuntergang heruntergefahren wird." - Dennis Halpape, Projektmanager SMA Energy Systems
Bild von Dennis Halpape im roten Shirt

Aber es geht nicht nur um die Verbesserung lokalen Wirtschaft. Die Sorge um die medizinische Versorgung in Ugandas dünn besiedelten Gegenden führte 2014 bei TOGETHER zu Überlegungen, zusammen mit dem ugandischen Partnerverein Torudes ein Krankenhaus zu bauen. Mithilfe von Spenden aus Deutschland und Geldern des BMZ konnte das neue Krankenhaus Mitte 2016 eröffnet werden. Der Strom zum Betrieb des Krankenhauses kommt wieder aus dem Solar-Inselsystem mit Speichermöglichkeit, das Dennis Halpape mit seinem Team installierte.

Insbesondere Krankenhäuser, aber auch Schulen seien auf eine stabile Stromversorgung angewiesen. „Selbst wenn es in einem Ort einen Anschluss an das öffentliche Netz gibt, weiß niemand, wann und wie lange Strom zur Verfügung steht, und wann er nach einem Ausfall wiederkommt”, erklärt er die Situation in vielen Regionen des Landes. In Kooki sind diese Schwierigkeiten nun Geschichte.

Auch eine große ugandische Berufsschule, die von der NGO, eine Chance für Kinder‘, einer mit TOGETHER kooperierenden Organisation betrieben wird, profitiert mittlerweile von einem Solarinselsystem, das Halpape und sein Team aus Kassel umsetzten. Zuvor liefen die Geräte in der angegliederten Näherei, der Metallwerkstatt, der Schreinerei, der Maismühle und der Schusterwerkstatt mit Strom aus Diesel-Generatoren. Da die Schüler:innen die Werkstätten in erster Linie während der sonnigen Tagesstunden nutzen, bietet Solarenergie nun eine kostengünstige und umweltfreundliche Alternative. „Wir hoffen daher, dass wir dem Gesundheitszentrum und der Berufsschule mit unserem Einsatz helfen konnten und sich der Alltag jetzt etwas einfacher gestaltet“, erläutert Halpape.
„Dass wir mit unserer Technik an solch‘ lebensnotwendigen und damit vitalen Punkte mithelfen duften, ist ein wahnsinnig tolles Gefühl”, schildert er den Grund für das Engagement.

Bildung als Schlüssel zur Selbsthilfe

Bildung ist auch ein wichtiger Baustein beim Projekt des GIZ. Ebenso wie der Aufbau und Einsatz von Solar-Inselsystemen. Damit die Menschen in Uganda dauerhaft das nötige Wissen haben, um Erneuerbare Energien zu nutzen und weiter auszubauen, unterstützt die GIZ die berufliche Ausbildung von Fachkräften. Sie entwickelte einen national zertifizierten Lehrplan sowie Unterrichtsmaterial für Solarkurse, in denen sowohl der Aufbau von Mini-Grids als auch von Solaranlagen an Privathäusern gelehrt werden. Außerdem errichtete die GIZ 2021 gemeinsam mit deutschen und ugandischen Partnern ein Ausbildungszentrum in der ugandischen Hauptstadt Kampala, in dem bislang rund 300 Solartechniker:innen ausgebildet wurden.

Dort gibt es ein Mini-Grid, quasi als Demonstrationsanlage. So können die Auszubildenden praxisnah den Umgang mit der Solaranlage lernen. Bis Ende 2023 sollen weitere 600 Auszubildende hinzukommen. Darüber hinaus werden auch Lehrkräfte (die Hälfte davon Frauen) angelernt.

Es wird spannend bleiben, wie die Elektrifizierung des Landes vorangeht, das bereits heute ein großes Potenzial birgt und durch Initiativen und engagierte Helfer:innen auf einem guten Weg ist.

Strom Fokus der Hilfe

Im Kern der Hilfe der GIZ steht die Elektrifizierung des Landes. In 22 Distrikten in Uganda arbeitet sie in Kommunen und Dörfern am Ausbau der Infrastruktur für Erneuerbare Energien. In 25 Dörfern hat die Organisation bereits Mini-Grids errichtet. Den Strom erzeugen dabei größere Solaranlagen, die die Energie in ein lokales Stromnetz speisen. Damit sind diese Dörfer von der zentralen Stromversorgung unabhängig. „Im Laufe des Jahres 2022 können damit mehr als 12.500 Menschen mit Strom versorgt werden. Weitere 15 Mini-Grid-Anlagen sind in Vorbereitung“, so die Sprecherin.

Strom bringt Arbeit 

Mini-Grids verbessern die Lebensbedingungen der Menschen in vielerlei Hinsicht. Insbesondere kleine, mittelständische Unternehmen erhalten dadurch beispielsweise neue Marktchancen. Das zeigt das Projekt der GIZ an ganz konkreten Beispielen: Mühlen, Milchkühlanlagen oder Schweißbetriebe profitieren genauso von der sauberen Energie wie Internetshops, Restaurants oder Einzelhandelsbetriebe. Die GIZ berät sie, wie sie Solarenergie produktiv nutzen und Strom sparen können, um neue Geschäftsfelder zu erschließen, Arbeitsplätze zu schaffen und ihr Einkommen zu erhöhen.

Strom fördert Bildung

Auch Schüler:innen profitieren; sie haben dank des lokalen Solarstroms auch in den Abendstunden genug Licht zum Lernen und sind nicht mehr auf Kerosinlampen angewiesen, deren Dämpfe so gesundheitsschädlich sind. Gesundheitszentren können mit der Solarenergie medizinische Geräte und Impfstoff-Kühlschränke betreiben.

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Werner Slocum, NREL

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