Ein Schiff im Hafen verstärkt den Klimawandel

Ein Wandel kommt selten allein

Was die Klimakrise für unsere Arbeitswelt bedeutet

Text: Mareike Scheffer, 02.06.2020

In diesen Tagen sehen wir, wie verwundbar unsere global vernetzte Welt ist. Die aktuelle Corona-Pandemie trifft die Wirtschaft mit voller Wucht und in einem Ausmaß, das kaum vorstellbar schien. Es zeigt, wie abhängig die Wirtschaft von global vernetzten Liefer- und Logistikketten ist. Wissenschaftler versuchen seit Jahren die Auswirkungen solcher Ereignisse auf unsere Wirtschaftsordnung auszumachen. Ein Bericht der Vereinten Nationen (UN) untersucht etwa die Auswirkungen, wie der Klimawandel Teile unseres Wirtschaftssystems lahmlegen könnte.

Stellen wir uns einmal folgendes Szenario vor: Überschwemmungen treffen Zulieferfirmen in Asien. Diese können folglich keine Teile an ihre abhängigen Produktionsfirmen transportieren. Da sich viele Unternehmen heute zunehmend auf global vernetzte Liefer- und Logistikketten verlassen, würde das wiederum dazu führen, dass etwa IT- oder Autofabriken in Europa oder Nordamerika stillstehen.

Szenarien wie diese zeichnet der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen der UN (IPCC) in seinem fünften Sachstandsbericht. Der IPCC analysiert, welche Folgen der Klimawandel langfristig für Arbeit und Beschäftigung haben wird. Auch wenn konkrete Auswirkungen nur schwer zu prognostizieren sind – der Klimawandel wird die Bereiche Arbeit und Beschäftigung nachhaltig beeinflussen, da sind sich IPCC-Experten einig. Denn wenn sich entsprechend der Prognosen die weltweite Durchschnittstemperatur um 2,6 bis zu 4,8 Grad erhöht und der Meeresspiegel um bis zu fast einem Meter ansteigt, könnten folgenschweren Kettenreaktionen in Gang kommen.

Mit steigender Erderwärmung werden auch Extremwettereignisse häufiger. Manche Wirtschaftssektoren werde dies besonders hart treffen. Wasserknappheit und Wetterextreme können Landwirtschaft, die Energieversorgung und Industrieproduktion beeinträchtigen und Verkehrsinfrastrukturen unterbrechen.  Dabei könnte es laut IPCC beispielsweise auch Bereiche treffen, bei denen ein Einfluss nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. So könnte etwa der Bergbau stark betroffen sein. Denn Wassermangel und auch Wasserverschmutzung könnten zur Schließung von Bergwerken führen. Denn für den Abbau von Bodenschätzen werden große Mengen der wertvollen Ressource Wasser benötigt.

Und auch Wirtschaftszweige, die nicht so offensichtlich von einem intakten Ökosystem abhängig sind, werden künftig mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen haben. Ein bitterer Vorgeschmack zeigte sich in Deutschland im Sommer 2018, als der Wasserpegel des Rheins soweit absank, dass etwa Firmen wie die BASF in Ludwigshafen ihre Produktion drosseln mussten. Denn die Binnenschiffe konnten nur mit geringer Zuladung fahren. Zudem stiegen auch die Frachtraten – sprich die Kosten für den Transport.

Die Notwendigkeit einer funktionierenden Infrastruktur ist auch deswegen so groß, weil viele Firmen die Lagerhaltung zurückgefahren haben und Just-in-time produzieren. Experten rechnen damit, dass mit zunehmender Trockenheit solche Ereignisse weltweit häufiger auftreten werden. Da die regionalen Auswirkungen recht unterschiedlich sein können, macht der IPCC die größten Gefahren für verschiedene Regionen auf der Welt aus.

Laut dem Sachstandsbericht steigt etwa in Europa mit zunehmendem Klimawandel die Wahrscheinlichkeit systemischer Störungen, die viele Sektoren betreffen würden. Insbesondere häufigere und stärkere Hitzewellen in Südeuropa könnten Land- und Forstwirtschaft, Energieversorgung, Tourismus sowie Gesundheit und Produktivität der Arbeitskräfte in der gesamten Volkswirtschaft treffen, heißt es im Bericht.

In Nordamerika werde der Klimawandel den Druck vor allem auf die Wasserressourcen erhöhen, die bereits durch die Folgen der wirtschaftlichen Entwicklung stark beansprucht seien. Das habe etwa Auswirkungen auf die Ernteerträge im Agrarsektor. Zudem sei ein Großteil der nordamerikanischen Infrastruktur empfindlich gegenüber Extremwetterereignissen und dem Meeresspiegelanstieg. Werde nicht in ihre Verstärkung investiert, bedeute das größere Verwundbarkeit infolge des Klimawandels.

Ein Zeichen des Klimawandels: Große Dürren und Überschwemmungen als Extremwetterereignisse

In Asien ist zu erwarten, dass sich der Wassermangel zu einer zentralen Herausforderung entwickelt. Dies ist auf höhere Nachfrage und schlechtes Wassermanagement zurückzuführen. In vielen Gegenden werden keine Nahrungsmittel erzeugt werden können, was die Ernährungssicherheit gefährde. Der Klimawandel werde zudem die vielfältigen Belastungen infolge rascher Urbanisierung, Industrialisierung und wirtschaftlicher Entwicklung noch verstärken. Das werde Folgen für Gesundheit, Sicherheit, Existenzgrundlagen der Menschen in diesen Ländern haben.

Doch neben allen Risiken wägt der Bericht auch die Chancen ab und benennt die Branchen, die von den Veränderungen profitieren können. „Für manche Gegenden und Branchen wird der Klimawandel auch Vorteile bringen, beispielsweise bessere Ernten oder einen verringerten Bedarf an Heizenergie“, heißt es im Bericht.

Nehmen wir zum Beispiel die Erneuerbaren Energien, wie Wind- und Solarenergie.

Der Aufbau eines regenerativen und dezentralen Energiesystems wird Arbeitsplätze schaffen, so genannte „grüne Jobs“, die neue Fertigkeiten erfordern – über die gesamte Wertschöpfungskette von Forschung und Entwicklung über Maschinen- und Anlagenbau und Beratung bis hin zu Installation und Wartung, so die Experten. Dank Erneuerbarer Energien können ländliche Gebiete in Entwicklungsländern, die nicht an die Stromnetze angeschlossen sind, Zugang zu Elektrizität erhalten. Dies eröffne neue wirtschaftliche Chancen.

”Mehr erneuerbare Energien und mehr Energieeffizienz entlang der Wertschöpfungsketten schaffen zukunftsfähige Arbeitsplatze, vermeiden Energieimporte und sichern die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft“, zitiert der Bericht den DGB-Vorstand Stefan Körzell. Entscheidend für die Begrenzung des Klimawandels wird es zudem sein, Treibhausgasemissionen und Wirtschaftswachstum voneinander zu entkoppeln. Je früher Wirtschaftsunternehmen sich diese Erkenntnis zu eigen machen, umso mehr sollten sie auch von der künftigen Entwicklung profitieren können. Die Folgen des Klimawandels mitzudenken – auch in punkto Arbeit und Beschäftigung –  scheint mehr denn je das Gebot der Stunde zu sein.

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