Bitte nicht recyclen

Die Plastiktüte ist endlich da, wo sie hingehört: im Museum.

Es hängt ein Quadrat an der Wand. Vom grellen Gelb über Abstufungen ins Orange bis zur blauen Mitte besticht es mit seinem geometrischen, abstrakten Design. Bauhaus, ganz klar. Der Künstler: Günter Fruhtrunk. Eine Reihe weiter: Soft-Edge-Design geprägt von den 1970er Jahren. Das braun-gelbe Muster wirkt schon fast hypnotisierend kitschig. Ein paar der 50 000 Sammlerstücke sind so schön, dass man sie sich glatt selbst an die Wand hängen könnte. 

Die Rede ist von Plastiktüten. Ja, richtig gehört: PLASTIKtüten. Dem Symbol der Wegwerfgesellschaft, dem Feind der Ozeane, dem Belagerer unserer Umwelt ist jetzt eine eigene Ausstellung gewidmet und die sieht auch noch gut aus. Mit dem Titel „Adieu Plastiktüte!“, nimmt die Ausstellung des Museums der Alltagskultur in Waldenbuch jetzt aber Abschied von der Tüte. Denn seit Januar 2020 ist das Herausgeben von Plastiktüten an allen Ladenkassen Deutschlands verboten. Das hat das Bundeskabinett beschlossen. Abverkauft werden nur noch Restbestände. Erhalten bleiben uns in den Supermärkten dann nur noch die dünnen Obst- und Gemüseplastikbeutel. Der Grund: Ein Verbot würde hier zu mehr Plastikverbrauch führen, befürchtet das Bundeskabinett. Es könnte die Hersteller dazu bewegen standardmäßig mehr Lebensmittel mit Plastikverpackungen auszustatten.

Einkaufen, einpacken, wegwerfen. 1,6 Milliarden Plastiktüten, wie diese hier, werden in Deutschland pro Jahr verbraucht. Das sind mehr als 3.000 Stück pro Minute, die im Durchschnitt aber nicht länger als 20 Minuten genutzt werden. 1,6 Milliarden Tüten würden aneinandergereiht 20-mal den Äquator umrunden. 1,6 Milliarden Tüten benötigen für ihre Herstellung über 200 Millionen Liter Erdöl. Und obwohl man es aufgrund dieser Zahlen kaum glauben mag, ihre Langlebigkeit wurde ihr schließlich zum Verhängnis. Denn über 100 Jahre dauert es, bis sie sich in der Umwelt abbaut, die Plastiktüte.

Und das ist ein Problem. Wissenschaftler gehen davon aus, dass im Jahr 2050 mehr Plastikmüll in unseren Meeren schwimmt als Fische. Die Recyclingquote ist einfach zu schlecht. Denn Kunststoff wird nur zur Hälfte wiederverwertet, zeigt der Abschlussbericht des Umweltbundesamts zum Aufkommen und zur Verwertung von Verpackungsabfällen in Deutschland aus dem Jahr 2017.

Plastiktüte Design Kunst Woll Wanner
Wenn es nach Kurator Frank Lang geht, ist diese Einkaufstüte von „Woll-Wanner“ eines der schönsten Exemplare aus der Sammlung: Mit Opiumsblüten auf schwarzem Grund wird das Wohlgefühl angedeutet, das Wollprodukte ebenfalls bieten können. Psychedelischer Stil war in Kunst und Werbung Anfang der 70er Jahre hoch im Kurs. Bei der Vielzahl von Tüten, die die beiden Sammler Mathias Kotz und Monika Breuninger dem Museum zur Verfügung stellten, war das keine einfache Entscheidung.

Doch sie war nicht immer ein Feindbild, die Plastiktüte. Ganze 60 Jahre lang, von 1960 bis 2020, war sie in vielen Lebenslagen unser treuer Begleiter. Ein rundum Sorglospaket beim Bummeln durch die Einkaufspassagen. Und dabei auch oft Statussymbol. Apple, Lacoste, Levis, sie alle druckten ihre eigenen Plastiktüten-Motive und gaben dem Träger damit die Möglichkeit, sich selbst mit Marke und Inhalt zu identifizieren und zur Schau zu stellen.

Müll oder gar Kulturträger? Diese Frage bleibt. Klar ist aber: Mit dem Verbot geht ein Stück Zeitgeschichte vorbei. Ähnlich wie Walkmans und Telefonzellen wird die Plastiktüte bald nur noch in unserer Erinnerung existieren. „Gut so!“, schreit die Umwelt. „Ab mit der Plastiktüte auf den Müllhaufen der Geschichte! Und bitte nicht recyclen.“

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Bis zum 03. Juli 2020 ist die Sonderausstellung zur Plastiktüte im Waldenbucher Alltagsmuseum geplant. Wegen der Corona-bedingten Schließung im Frühjahr wird die Ausstellung voraussichtlich bis Herbst 2020 verlängert. Solange das Museum, aufgrund der aktuellen Situation noch geschlossen ist, gibt es die Möglichkeit auf Facebook unter #AdieuPlastiktüte digitale Einblicke in die Sonderausstellung zu bekommen.

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