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Rwanda rising

Von einer erschütternden Vergangenheit zur Start-up-Hochburg für dezentrale Energie

April 2019 ­– Tausende laufen während der Flammenzeremonie in Richtung der Hauptstadt Kigali. Jedes Jahr zu dieser Zeit gedenkt Ruanda seiner schrecklichen Geschichte, dem Völkermord, bei dem 1994 fast eine Millionen Menschen starben. 25 Jahre nach dem grauenvollen Ereignis soll jedoch vor allem eines deutlich werden: wie weit das Land gekommen ist. Darum werden während des Rituals Videos vom wirtschaftlichen Aufschwung Ruandas gezeigt. Sie demonstrieren, wie stark der Glaube an einen Neuanfang ist.

Die Entwicklung Ruandas ist in der Tat beeindruckend. Obwohl der Alltag in dem ostafrikanischen Staat für die Menschen nicht leicht ist, schaffen es engagierte Start-ups, das Land nach vorne zu bringen. Beispielsweise bei der Energieversorgung. Durch die Topografie und die Bevölkerungsverteilung ist dies für die Menschen dort ein großes Problem. Doch Ruandas Start-ups haben das Potenzial einer dezentralen Energieerzeugung erkannt und revolutionieren den Markt. Wir stellen Ihnen drei inspirierende Projekte vor.

Die Helden der Entwicklung

Great Lakes Energy zum Beispiel – ein Start-up, das solarbetriebene Energiesysteme in Waisenhäusern, Schulen, Bauernhöfen und Krankenhäusern installiert. Wie wertvoll dieser Einsatz ist, zeigt die Geschichte von Dr. Kolombo. Als der Arzt im Shyira Hospital anfing, gab es gerade einmal zwei Stunden pro Nacht Strom. Aber nur im Operationssaal, der Entbindungsstation und im Labor. Der Grund: Der Betrieb des Dieselgenerators, der dem Krankenhaus als einzige Stromquelle diente, war zu teuer. Dann installierte das Start-up Solarmodule. Erst durch die neue Energieversorgung erhielt das Krankenhaus die Möglichkeit, die ganze Nacht über und auf allen Stationen Patienten bestmöglich zu betreuen.

Um alle lebenswichtigen Gesundheitsdienste der Gemeinden mit Strom versorgen zu können, setzten sich die Gründer von Great Lakes Energy mit den Energieversorgungsproblemen der Menschen in Ostafrika auseinander. Wie weit ist das Verständnis für Solaranlagen überhaupt verbreitet? Mit welchen Lösungen kann eine stabile Stromversorgung gewährleistet werden? Seit Gründung des Unternehmens haben sie nach den passenden Antworten gesucht. Heute nutzen sie ihr Wissen und ihre Erfahrung, um Solarstromanlagen zu bauen, zu entwerfen und zu warten. Für die Menschen dort ist das ein großer Gewinn, denn die Anlagen sind zuverlässiger, nachhaltiger und kostengünstiger als konventionelle Energiequellen.

Das Vertrauen wieder aufbauen

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein teures Solarmodul. Das nicht funktioniert. Hätten Sie noch Vertrauen in Solarenergie? Genau darum geht es bei Comparisol. Die App hilft Leuten, die sich für solare Heimsysteme in Afrika südlich der Sahara interessieren. Das Problem: In Ruanda gibt es neben mehreren netzunabhängigen Solarangeboten auch gefälschte Produkte. Die Folge: Den Verbrauchern fehlt es an Vertrauen in Solartechnik. Deshalb informiert Comparisol die Menschen über Solarenergie und bietet ihnen einen Marktplatz, um qualitätsgeprüfte Solarprodukte zu vergleichen und zu kaufen.

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links: die Solarlampe des von "Starlight" aus Rwanda. rechts: die beiden Gründerinnen Alice Mukashyaka und Ariane Umuringa.
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Es braucht mehr Gründer

Voller Leidenschaft beschäftigt sich auch die 22-jährige Ariane Umuringa mit den Chancen, die dezentrale Energie für Ruanda bietet. Ihre Initiative, Starlight Rwanda, entwickelt solarbetriebene Lampen für netzunabhängige Landhäuser. Darüber hinaus bildet die Organisation auch junge Frauen aus, die die Solarlampen selbst bauen und lokale Unternehmen gründen. Um deren Selbstständigkeit zu fördern, will sie die Mädchen, schon früh erreichen. Sie sollen für Felder wie Mathematik, Naturwissenschaften, Ingenieurwesen und Technik (kurz MINT) begeistert werden. Dazu nutzt Starlight lehrreiche „MINT-Produkte“ wie Spielzeug, Gadgets und Erlebnisse. Diese sollen Spaß machen, die Kreativität fördern und spielerisch mit Prinzipien des MINT-Lernens in die Praxis einführen. Angetrieben werden diese zum Schutz von Mensch und Umwelt ausschließlich von erneuerbaren Energiequellen. Das Ergebnis inspiriert: Die Lebensqualität hat sich verbessert, da die Haushalte keine unsicheren Kerosinlampen mehr benutzen müssen. Und Mädchen in ländlichen Gemeinden erhalten technische Fähigkeiten, die zu Arbeitsplätzen und stabilem Einkommen führen.

Ruanda – Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit

Woher kommt diese positive Energie der Gründer, die Welt zu verbessern? Nicht nur die schwierigen Lebensverhältnisse lassen diese Menschen nach einer besseren Zukunft streben. Auch die Geschichte des Landes trägt ihren Teil dazu bei. Die heutige Regierung legt großen Wert darauf, aus der Vergangenheit zu lernen. Und es tut sich viel: Ruandas Wirtschaft wächst stetig um jährlich acht Prozent. Es gibt wenig Korruption. In Politik und Wirtschaft haben Frauen Führungspositionen. Seit 2008 sind Plastiktüten verboten, in der Hauptstadt Kigali gibt es kaum Müll auf der Straße. Das hat Kigali dem sogenannten „Umuganda” zu verdanken. Einem Tag, an dem jeder Bürger einmal im Monat dazu verpflichtet ist, Müll zu sammeln, Bäume zu pflanzen oder an sozialen Projekten zu arbeiten.

Im Team noch stärker

Auch deutsche Unternehmen unterstützen die aufstrebende Region in ihrer umweltfreundlichen Entwicklung. Zusammen mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung startete VW beispielsweise das digitale Verkehrskonzept „Moving Rwanda“. Dahinter verbergen sich eine VW-Autoproduktion, die in Kigali für neue Arbeitsplätze sorgt, eine Ausbildungsinitiative für moderne Berufe und ein Konzept, das die gemeinschaftliche Nutzung der Autos fördern soll. Das passiert mithilfe einer App. Diese bietet mit Moving Share, Moving Ride und Moving Drive verschiedene Möglichkeiten. Ähnlich wie Uber und car2go kann man sich dann fahren lassen oder aber selbst ans Steuer setzen. Der Start für ein umweltfreundliches Carsharing-Modell in Ruanda.

Bereits seit 2014 versorgt ein von SMA beliefertes Unternehmen die innovativen Firmen der Region mit Solarstrom. Ein 8,5 Megawatt PV-Kraftwerk mit einem jährlichen Ertrag von rund 15.500 MWh wurde gebaut. Das steigert die ruandische Energieeffizienz um fast sechs Prozent. Ein wichtiges Projekt, das Ruanda die nötige Energie für seine Wirtschaftsentwicklung und den Erhalt der inspirierenden Start-up-Szene liefert. Und ein schönes Beispiel, das zeigt, wie erfolgreich Solarstrom Treiber einer nachhaltigen Veränderung sein kann.

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